Strittige Themen auf der Einwohnerinformation in Ruit

Artikel von Andreas Kraus - veröffentlicht am 4. April 2017

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten 36 Sekunden

Innerörtliche Entwicklung, Neubau des Kindergartens, die Parksituation „An der Salzach“ und „Knittlinger Straße“ und Hochwasserschutz – auf der gutbesuchten Einwohnerinformation in Ruit war viel zu besprechen und viel zu diskutieren. Die rege Beteiligung der Bürger zeigt ein starkes Interesse am eigenen Wohnort, an den kommenden Veränderungen und dem Wunsch an selbigen nicht nur passiver Beobachter, sondern aktiver Teilnehmer zu sein. Ideen und Wünsche wurden nicht zu knapp geäußert; vorgeschlagene Lösungen der Gemeinde nicht einfach akzeptiert – Ruit lebt.

Innerörtliche Entwicklung:

Eine rückwärtige Bebauung im Bereich „An der Salzach“, ein Dorfplatz, ein zweiter Brunnen, dazu neuer Wohnraum – die Ideen sind vielfach. Einige davon wurde bereits durch Ortsvorsteher und OB Kandidat Aaron Treut, sowie seinen Kollegen im Ortschaftsrat, erarbeitet und in einer Powerpoint Präsentation den anwesenden Besuchern durch Herr Ullrich Braun, Leiter des Bauamtes Bretten, vorgestellt. So wurde schnell klar, dass eine Bebauung mit Terrassenhäusern, wie ursprünglich geplant, aufgrund fehlenden Lichteinfalles nicht zu verwirklichen ist.
Herr Ullrich Braun machte sehr deutlich, dass eine Bebauung ohne die Unterstützung der Einwohner, allen voran den Grundstückseigentümern, nicht möglich ist, und hier noch nicht alle nötigen Verträge vorliegen – weitere Verhandlungen mit Privatpersonen sind geplant und notwendig.
Im Rahmen des ISEK-Programmes wurde ein Gemischtwarenladen, nicht nur in Ruit, sondern auch weiteren Ortsteilen, gewünscht. Die Umsetzbarkeit wird geprüft.
Weiterhin habt ihr sicherlich gelesen, dass die Förderung für das ganze Vorhaben im ersten Schritt abgelehnt wurde. Laut Oberbürgermeister Martin Wolff ist dies kein Problem und auch keine Seltenheit. Man bleibt am Ball und kommt in Schritt 2 sicherlich zum Zuge. Gespräche mit Landrat und Ministerium sind im Gange.
Meine Nachfrage hat ergeben, dass in Ruit eine Bürgerbeteiligung vorgesehen ist, ähnlich wie bei der Sporgasse, so dass die Ruiter Einwohner gezielt mitbestimmen dürfen, wie die Gestaltung des neuen Ortskernes aussehen soll.

Die Präsentation, mit allen Vorschlägen zur innerörtlichen Entwicklung, kann >hier< als  PDF-Datei heruntergeladen werden.

Hochwasserschutz:

Extra vor Ort: Helmut Petri, Sachgebietsleiter Tiefbau. Es wurde bereits einiges unternommen und vieles ist noch in Planung. Treibholzfänge, Erhöhung der Flügelwände, Zäune, Verdolung, durchgängiger Pegel bis Bruchsal. Sandsäcke wurden in Ruit angeschafft, die Randsteine werden erhöht, Schächte getauscht.
Oberbürgermeister Martin Wolff betonte hierbei, dass bei extremen Regenfällen keinerlei Maßnahmen mehr helfen. Ob dies der Fall ist, wird sich frühestens nach Fertigstellung aller Änderungen und einem erneuten Regenschauer feststellen lassen.

Parkplatzsituation „An der Salzach“ und „Knittlinger Straße“:

Zweifellos das umstrittenste Thema an diesem Abend. Fakt ist, dass vor allem in der Knittlinger Straße ein vernünftiges Fahren kaum möglich ist. Oft fehlen Einschermöglichkeiten bei Gegenverkehr, wenn man von Richtung Knittlingen kommt. Dies hat zur Folge, dass entweder auf das Gaspedal gedrückt wird um noch schnell vor dem Gegenverkehr vorbei zu ziehen, oder eine Partei den Rückwärtsgang einlegen muss. Beschwerden genervter Autofahrer und Busunternehmen sind auf dem Ruiter Rathaus mittlerweile keine Seltenheit. Aus diesem Grund hat man sich dazu entschlossen, den Bürgern, allen voran den Anwohnern an der Knittlinger Straße, eine Lösung in Form von eingezeichneten Parkplätzen, mit genügend Abstand für Bus und LKW, zu präsentieren. Kaum angesprochen war die Diskussion schon in vollem Gange. Wo sollen die ganzen Autos zukünftig Parken? Was ist zu den Stoßzeiten am Kindergarten, wenn Eltern ihre Kleinen abholen? Fördert einseitiges Parken das Rasen? Ist eine freie Spur einladender um die erlaubte Geschwindigkeit zu überschreiten oder doch eher die Flucht nach vorne zur freien Lücke? Übrigens, alleine im März, wurden 34.000 Fahrzeuge in der Knittlinger Straße gezählt, die durchschnittliche Geschwindigkeit lag dabei zwischen 38 und 48 km/h, wohlgemerkt in einer Tempo 30 Zone an der sich ein Kindergarten befindet.
Rufe nach einem festen Blitzer wurden daraufhin laut, dieser ist aber schlichtweg unrentabel und würde das Problem nicht lösen. Ein fester Blitzer vor dem Kindergarten löst das Problem der Raser vor selbigem nicht? Klingt für mich eher wie eine Ausrede… Blitzer sind eben doch nur Einnahmequellen und haben mit Sicherheit nichts zu tun.
Am Ende hat man sich auf den Vorschlag von Oberbürgermeister Martin Wolff geeinigt, dass Herr Kleinhans, Sachgebietsleiter Straßenverkehrs- und Bußgeldbehörde, prüfen wird, ob man anstatt Parkbuchten auch Sperrflächen einzeichnen kann, was den Anwohnern etwas mehr Flexibilität beim Parken lässt. So wäre es den meisten z.B. möglich, noch vor ihrer eigenen Garage zu parken. Die Prüfung ist nötig, da es sich um eine Kreisstraße handelt und die Stadt hier keine Entscheidungsgewalt hat.
Letztlich wurde um mehr Rücksicht gebeten: Anwohner sollen bitte ihre vorhandenen Garagen nutzen, Eltern die Kinder nicht wegen 5 Metern zum Kindergarten fahren oder dort abholen.

Kindergarten An- und Umbau:

Warum wird der Kindergarten nicht neu an der Schule gebaut, wo doch an der Knittlinger Straße die Sicherheit der Kinder permanent gefährdet ist? Dies war wohl die wichtigste Frage zu diesem Thema. Die Antwort folgte prompt: Zu teuer. Da es sich hier um die Kirche als Träger handelt, ist es angeblich nicht möglich, das Geld für einen Neubau aufzubringen. Die Kosten hierfür wären rund 3x so hoch wie am aktuellen Standort und würden die Kirche mit knapp 1 Millionen Euro treffen. Zudem wäre der Gemeindesaal an seinem jetzigen Standort obsolet, weshalb man sich auf einen Anbau an der Knittlinger Straße einigte.
Ein kleiner Trost – durch die Verlagerung des Einganges nach hinten wird der Weg zur Straße verlängert, was zumindest etwas zur Sicherheit der Kinder beiträgt.
Die Unterbringung der Kinder während der Bauzeit soll sowohl in der alten Schule, als auch in Wohncontainern erfolgen.
Passend zum Thema: Die Elternbeiratsvorsitzenden des Kindergartens haben die Gelegenheit genutzt, um sich bei Ortsvorsteher Aaron Treut für seinen Arbeitseinsatz in Eigenregie zu bedanken. Dieser hat am vergangenen Samstag das Tor am Eingang zusammen mit zwei Helfern versetzt, um so für weitere Sicherheit für Kinder, Eltern und Personal zu sorgen. Den Beifall hat er sich hierfür redlich verdient.

Sonstiges:

  • Ein Um- bzw. Anbau des Feuerwehrhauses ist geplant, allerdings ist hier noch nichts spruchreif.
  • Ein entfernter „Nachbar“ des Gerüstbauunternehmens Ehrenfeuchter hat sich über andauernden Lärm beschwert, war sich aber am Ende nicht einmal mehr sicher, ob er die richtige Firma beschuldigt. Anschuldigungen gegenüber Ortsvorsteher Aaron Treut konnte dieser direkt widerlegen.
  • Es wurden neue Sitzkissen angeschafft, die an diesem Abend direkt eingeweiht wurden. Subjektives Befinden des Schreibers dieses Berichtes: Bequem.

 

Richtigstellung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Bürgermeister Michael Nöltner beim Thema Parken „Knittlinger Straße“ die Idee mit den Sperrflächen hatte. Dies war falsch. Die Idee stammt von Oberbürgermeister Martin Wolff.


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